Die Definition der Gothic

 

Der zentrale Wesenszug, der "Goth" charakterisiert, ist Individualität, Kreativität und Selbstausdruck. Als Medium für die Selbstdarstellung und Kreativität dienen Kleidung, Texte, Bilder oder die Musik. Gothic Musik spielt mit provozierenden Themen, indem sie sich auf soziale Schwächen, wie Rassismus, Krieg, Gruppenhaß..., auf die wirklich ungemütlichen Themen konzentriert. "Goth" ist ein Gefühl der Neugier und Passion für die Dinge, ein lernen wollen, es ist Verständnis, Offenheit und Toleranz, eine Weigerung, mit der Masse zu gehen, gepaart mit der Faszination vom Tod. Sie versuchen eine andere Sichtweise des Lebens zu finden.
Vorstellungskraft und Originalität sind demnach die Schlüsselelemente der Gothic - Kultur. Eine allgemein gültige Definition läßt die Einzigartigkeit der Mitglieder der Szene somit nicht zu.
Was man früher noch als Gemeinsamkeit der Mitglieder dieser Subkultur nennen konnte (Musik, schwarze Kleidung, Make up, Frisuren), ist heute schon wieder passé, denn Farben halten Einzug, aus Rebellion gegen das Muß schwarz, und die Musik ist so breit gefächert und so entgegengesetzt, daß die Gemeinsamkeit eines Industrial Anhängers und eines New Wave Anhängers schon daran scheitert, daß der eine vom anderen behauptet, das wäre nicht Goth. Selbst die verbindenen Kultfilme und Literaturklassiker stoßen auf geteilte Meinungen. Am ehesten könnte man die Tendenz zu Gewaltlosigkeit und die Toleranz nennen, wobei Toleranz m.E. nicht mehr so ausgeprägt ist, wie in den Anfängen.

Als Lebensstil ist Goth ebenso abwechslungsreich wie seine Anhänger – diese Verschiedenheit ist mit bestimmender Charakter der Szene. Um besser zu verstehen, was Goth wirklich ist, muß man wissen, woher es kommt, da es das Lebensgefühl schon länger gibt, als den Ausdruck, der dafür geprägt wurde. Es ist eine Subkultur, die in vielen Gesellschaften immer wieder erscheint und verschwindet, und deren Anhänger intellektuelle, frustrierte, gelangweilte, unsichere Jugendliche aus der Mittelklasse, beim Übertritt in eine neue Lebensphase waren. Ihre Psyche kämpfte mit fehlender Identität und dem Gefühl der Instabilität. Viele wandten sich der Gothic - Kultur zu, nachdem sie eine schwierige Zeit in der Schule hatten, sie suchten nach einem Weg das auszudrücken, was sie fühlten, während andere nur schockieren wollten. Einige machten sich also daran, eine eigene Sozialstruktur aufzubauen. Diese Gegenkultur basierte auf der Synthese von historischen Elementen (der mittelalterlichen Erkenntnis der Dualität des Menschen und der Welt), angelehnt an die dramatischen Traditionen, Philosophien und Schulen. Zuerst nannten sie sich selbst New Romantic, woraus dann Gothic wurde, als sich die neue Kultur stabilisiert hatte, und zu wachsen anfing.
Innerhalb der Gothic - Kultur gibt es zwei Strömungen, jede ein Ausdruck der Mischung aus Angst und Faszination für die dünklere Seite des Lebens.

Eine Strömung – "Appolonian, nach Apollo" – war mehr interessiert an der künstlerischen und philosophischen Facetten, die andere – "Dionysan, nach Dyonisos" – pickte das mehr hedonistische, und manchmal selbstzerstörerische, der Kultur heraus.
Um 1987 war die Gothic - Kultur nahezu verschwunden. Um diese Zeit begann eine neue Generation Jugendlicher den Stil der Goths zu imitieren. Diese Kindergoths wurden von den "Orginal Goths" mit Ablehnung betrachtet, und die Kluft zwischen den Gothics der alten Schule und den Nachkömmlingen wurde verstärkt durch Begriffe wie Poser oder "Faux Goth". Die erste Gothic-Generation bemängelte öfter, daß die nachfolgenden Generationen glauben würden, Gothic-sein bestünde darin, das schwärzeste Schwarz mit viel Silberzeug zu tragen, und nach Möglichkeit blaß und zerbrechlich auszusehen.
Die wenigen verbleibenden Ursprungsgoths zogen sich in den Untergrund zurück und nahmen sich aus der neuauferstehenden Gothic - Kultur zurück. In den letzten Jahren entdeckten die Goths beider Generationen das Internet als Ausdrucksmittel und Mittel der weltweiten Kommunikation und Verständigung für sich – frei von Dresscode und Attitüde.