Die
Sitten im Mittelalter
Die
hierarchische Struktur der Gesellschaft (Stände)
Die Gesellschaft im
Mittelalter war in verschiedene Stände unterteilt. Diese waren wie in einer
Pyramide aufgebaut. An der Spitze stand der König. Er hatte die größte Macht
im Staat. An seiner Seite stand der Adel. Zu diesem gehörten die adligen
Ritter. Darauf folgte die Geistlichkeit. Zu ihr zählten Priester, Mönche und
Pfarrer. Unter der Geistlichkeit stand die Stadtbevölkerung. Der größte Teil
der Stadtbevölkerung war Handwerker von Beruf wie z.B. Schreiner oder Schmied.
Zur Bevölkerung gehörten außerdem die Händler. An unterster Stelle in dieser
Pyramide standen die Bauern. Zum größten Teil lebten diese auf dem Land.
Daneben gab es aber in der Mittelalterlichen Stadt oder - besser gesagt - an
ihrem Rande noch Menschen niederer Ordnung, die keinem der genannter Stände
angehörten. Menschen, mit denen ein ehrsamer Bürger oder Bauer nicht in Berührung
kommen wollte, deren Geld selbst der Krämer nur ungern annahm, die nach ihrem
Tode keiner zu Grabe tragen wollte und die auf einem abgelegenem Fleckchens des
Friedhofs begraben wurden. Und das alles nur, weil sie einen Beruf hatten, der
als unehrlich galt. Bei manchen dieser Berufe, beim Henker oder beim Abdecker,
kann man diese Einstufung noch verstehen. bei anderen dagegen, beim Schäfer,
beim Müller, beim Leinweber, beim Bader oder beim Schornsteinfeger zerbrechen
sich noch heute die Gelehrten die Köpfe, aus welchen Gründen sie geächtet
wurden und damit aus der Gemeinschaft ausgestoßen worden waren.
Feste am Hof
Die Anlässe zur
Veranstaltung großer Hoffeste waren: Hochzeiten, Krönungsfeier-lichkeiten,
Friedensschlüsse und die Feier der Kirchenfeste. Im Vordergrund stand immer die
Entfaltung einer märchenhaften Pracht und die Ausmalung der feinen höfischen
Umgangsformen. Schon die Auswahl der Gäste ließ häufig den politischen
Charakter des Festes hervortreten. Es gab zwar auch ganz märchenhafte Feste, zu
denen in der ganzen Welt eingeladen wurde. Aber öfter richtete sich die
Einladung in spezieller Weise an die Fürsten des Landes oder, wenn der
Einladende selber ein Fürst war, an den Adel oder Geistlichkeit. Die
Bediensteten waren drei Tage lang damit beschäftigt die für die Bewirtung der
Gäste erforderlichen Aufbauten zu errichten. Am vierten Tag wurde dann auf 100
Lastpferden alles herangeschafft, was für das Festmal gebraucht wurde. Zum
Empfang wurde den Gästen teilweise mit einer Musikkapelle entgegengeritten.
Nach dem Empfang wurde zu Tisch gebeten. Neben dem siebengängigen Menü trugen
die Spielleute zur Unterhaltung bei. Sie traten auf den Hoffesten in
verschiedenen Funktionen auf, als Sänger und Musikanten, als Akrobaten und Spaßmacher.
Es gab einen Überfluß an Speisen und dazu wurde der beste Wein getrunken. Als
besondere Spezialitäten galten Mandelpudding, Feigen, Wild, Fisch und
Mandelkerne. Roggenbrot, saures Bier, Kohl, Haferbrot, Sauerkraut und Rüben
galten als schlechtes Essen für arme Leute (Bauern ). Diese Lebensmittel ließ
man an Festen als Almosen für die Armen an die Tür bringen.
Tischzuchten
Messer und Gabel
wurden nur zum Servieren der Speisen benutzt. Löffel dienten zum Essen der
Suppe . Außerdem wurde der Weinkrug mit dem Nachbarn geteilt. Eine Scheibe Brot
ersetze den Teller. Wenn man das Brot vor dem ersten Gang aß galt man als
unbeherrscht. Steckte man ein zu großes Stück in seinen Mund wurde man als
Fresser angesehen. Um sich nicht zu verschlucken mußte das Essen gut gekaut
werden. Erst wenn der Mund leer war durfte getrunken werden. Sonst galt man als
Säufer. Solange der Mund voll war sollte nicht gesprochen werden. Es gab die
Anweisungen nicht zu viel zu trinken, nicht über das Essen zu klagen und beim
Speisen keinen Lärm zu machen. In Gegenwart einer Dame sollte man alles Derbe
und Unziemlich vermeiden. Man sollte die abgegessenen Knochen nicht wieder in
die Schüssel legen, nicht mit den Fingern in die Soße oder in den Senf
greifen, nicht in das Tischtuch schneuzen, nicht in das heiße Getränk blasen,
sich nicht beim Essen über den Tisch legen, sich nicht mit der bloßen Hand an
der Kehle kratzen und nicht in die Hand schneuzen. Die meisten Tischregeln
lassen sich als Hygienevorschriften erklären, die auf die realen Begebenheiten
beim Essen Bezug nahmen. Man sollte sich den Mund nicht mit den Händen
abwischen. Am besten zog man sich aus der Affäre, indem man seine eigene
Kleidung zum Abwischen benutzte. Ähnlich verhielt es sich beim Schneuzen. Wenn
man weder das Tischtuch noch die Hand benutzen durfte, blieb nur der Ärmel. Die
Tischzuchten wurden von der Überzeugung getragen, daß die höfische
Gesellschaft sich durch die Einhaltung solcher Regeln vom Volk unterschied. Dies
ist in sofern ein wichtiges Zeugnis für das Selbstbewußtsein der höfischen
Gesellschaft und zugleich für die Verfeinerung der gesellschaftlichen
Umgangsformen in der höfischen Zeit.
Erziehung
Jungen und Mädchen
wurden im Gegensatz zu heute auf verschiedene Weise erzogen. Der Vater, in Sorge
um einen Erben seiner vergänglichen Besitztümer, bestimmte den Sohn zur
weltlichen Ritterschaft. Als dieser noch im Kindesalter war, trieb er ihn daher
an, zusammen mit gleichaltrigen Jungen zu reiten, das Pferd im Kreis zu bewegen,
die Lanze zu schwingen, mühelos den Schild zu führen und - was dieser am
meisten verabscheute - auf Raub und Beute auszugehen. Neben sportlichen und
militärischen Übungen hat am Hof das Erlernen höfischer Umgangsformen eine
große Rolle gespielt. Weil die weibliche Natur so schwach war, mußten Frauen
sorgfältiger belehrt und angeleitet werden, als Männer. Mädchen sollten einer
strengen Überwachung unterworfen sein, um ihre Jungfräulichkeit nicht zu gefährden.
Am besten hielt man sie ständig im Haus; auf dem Weg zur Kirche sollte die
Mutter ihre Tochter begleiten. Zuhause mußten die Mädchen beschäftigt werden,
sonst kämen sie auf schlimme Gedanken. Sie sollten arbeiten, beten und lernen.
Arbeiten hieß spinnen, weben und nähen. Die Mädchen sollten auch lesen lernen
und sich viel mit den heiligen Schriften beschäftigen. Außerdem sollten sie in
guten Sitten und Bräuchen unterwiesen werden. Vier Dinge sind es besonders, über
die sie belehrt und unterrichtet werden sollen, nämlich Schamhaftigkeit und
Keuschheit, Demut, Schweigsamkeit und Würde der Sitten und Gebärden.
Schamhaftigkeit und Keuschheit zeigten sich darin, daß alle unnütze Ergötzung
des Fleisches unterblieb. Die Mädchen sollten nur essen und trinken, um den
Hunger zu stillen; sie sollten nicht zu viel schlafen und nicht baden. Sie
sollten keine enganliegenden Gewänder mit Schleppen und Schlitzen, keine Seide
und Purpur, keine kostbaren Gürtel und Haarbänder tragen, und vor allem
sollten sie sich nicht schminken und die Haare färben: das war sündhaftes
Teufelswerk, weil damit die Schöpfung Gottes verfälscht wurde. Demut,
Schweigsamkeit und Sittenreinheit bewährten sich im gesellschaftlichen
Auftreten. Das Mädchen sollte nicht viel reden, nicht viel lachen, sich einfach
kleiden, einen ehrbaren Gang haben und vor allem nicht die Augen herumschweifen
lassen, denn darin wird ihre Keuschheit und auch das Gegenteil, ihre
Unkeuschheit, am meisten deutlich. Die selben Verhaltensregeln gelten auch für
Frauen. Die wichtigste Tatsache war, daß die Frau dem Mann immer dienen mußte
und ihm Untertan war.